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Das Biedermeier-Zeitalter

Das Platzmeisterhaus – seine Entstehung

Das „Platzmeisterhaus“ war ursprünglich ein Wohn- und Verwaltungsgebäude der Königlichen Hüttenwerke Christophstal/Friedrichstal. Es ist benannt nach dem damaligen Verwalter/Arbeitsdirektor der Eisenhüttenwerke, und es wurde gemäß der Rangstellung des Werksleiters repräsentativ ausgestaltet. Der zweigeschossige, traufständige und unverputzte Sandstein-Massivbau wurde 1838 erbaut. 
In seiner direkten Nachbarschaft, gleich nach dem Gemüsegarten, kamen im Jahre 1840 das kleine Back- und Waschhaus sowie das Kellerhaus im Hanggelände 1856 als Nebengebäude dazu. 
Zum Wohn- und Arbeitssitz des Platzmeisters gehörten ursprünglich als direkt benachbarte Werksanlagen die Fabrikgebäude des „Unteren Pfannenhammer“. Das waren eine Kohlenscheuer, eine Schmiede mit einem Großhammer, die wassergetriebene Antriebstechnik mit Wasserrad und Radstube sowie weitere Schuppen und ein Wasser-„Canal“. Auf der Straßenseite gegenüber wurde 1840 das sogenannte „Laborantenhaus“ errichtet, ein Wohngebäude für die Arbeiterfamilien des „Pfannenhammer“.
Die alten Werksgebäude wurden um 1910 abgebrochen, alle anderen Gebäude existieren noch, wenn auch das Arbeiter-Wohnhaus in modernisierter, historisch unkenntlicher Form.

Das Platzmeisterhaus – seine Denkmalqualität

Das Platzmeisterhaus ist dagegen ein original erhaltenes, unverfälschtes Zeugnis der Biedermeier-Epoche. Es zählt damit zu den wenigen noch bestandskräftigen Gebäude dieser Zeit in der Region und besitzt als eingetragenes Kulturdenkmal hohen Denkmalwert. Dies nicht nur aufgrund seiner kultur- und wirtschaftshistorischen Bedeutung als Büro- und Dienstgebäude aus frühindustrieller Zeit, sondern auch wegen der „stilvollen, herrschaftlichen Gebärde“ seiner Architektur. 
Die Hülle des biedermeierlichen Wohngebäudes besteht aus Quadermauerwerk in lokalem, hellrotem Buntsandstein. Sie ruht auf einem umlaufenden Sockelgesims, in das runde und querrechteckige Lüftungsöffnungen – die markanten und ziemlich einzigartigen „Bullaugen“ – eingebaut sind. Diese Öffnungen unterlüften das Gebäude und verhindern Staunässe sowie Feuchteverfall der Holzböden in der Erdgeschossebene. Fenster und Türeinfassungen bestehen aus ins Mauerwerk eingebundenen feingliedrigen Werksteinen.
Die unveränderten inneren Grundrisse und der vielfältige originale Ausstattungsvorrat der Räume vermitteln ein umfassendes Anschauungsbild der früheren biedermeierlichen Wohnkultur. Das Platzmeisterhaus verfügt über einen nahezu vollständigen Vorrat an bauzeitlichen Täferungen, Lamberien, Stuckfriesen, an Fenstern sowie Tür- und Fensterbeschlägen, an Dielen- und Steinböden – alles im Originalzustand oder an diesen wieder angenähert. 

Das Platzmeisterhaus – Anschaulichkeit und Nutzung

Um das aufgrund glücklicher Umstände anschauungswürdig in seiner Zeit „verhaftete“ Denkmal so originalgetreu wie möglich zu bewahren, gilt der Grundsatz, diesen Bauschatz zu konservieren und ihn nur ausgesprochen behutsam zu sanieren. Alle Funktionen, der Ausbau, die Raumgestaltung, die Nutzungsweisen sind dieser Prämisse untergeordnet.
Und dennoch, bei kluger und geschickter Raumplanung, Raumheizmethodik, Sanitär- und Raumausstattung und einer angepassten Elektrifizierung, können und sollen auch moderne, heutige Nutzungsformen in dem fast 200-jährigen Bauwerk stattfinden. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts „Platzmeisterhaus im Christophstal“ will das Denkmalgebäude zu einer kulturhistorischen Begegnungsstätte mit Museumscharakter entwickeln. 

  • Eine festliche Event-Stätte in historischem Flair 
  • Das Ferienwohnen im Biedermeier-Denkmal

Der (Königs-)Blaue Salon im Obergeschoss mitsamt der Salon-Nebenräume eignet sich für Empfänge, Feieranlässe, für Lesungen, Vorträge und kleine Ausstellungen. Die „Amtsstube“ und das Atelierzimmer im Erdgeschoss sollen dauerhaft über die Geschichte des Hauses, des alten Werkplatzes „Unterer Pfannenhammer“ und über die frühere Eisenindustrie im Forbachtal informieren.
Im Dachgeschoss des Hauses befinden sich unter dem alten Dachstuhl-Balkenwerk ein größerer Bühnensaal sowie zwei kleinere private Aufenthaltsräume, die eine schöne Aussicht auf das „neue“ Industriedenkmale-Areal bieten: Mit dem Platzmeister-Biedermeiergarten, den steinernen Wirtschaftsgebäuden, der Quellteich-Parkanlage und der 2025 für die Gartenschau ins Tal versetzten alten „Rußhütte“ aus der Oberstadt. 
Der Platzmeistergarten avancierte bereits im Vorjahr der Gartenschau, also 2024, zu einem beliebten und auch vielbewunderten Schaugärtlein. In der Saison 2025 wurde der Biedermeiergarten dann dank der gestalterischen und gärtnerischen Finesse von Gartenbau-Spezialistin Brigitte Heinz zu einer stark frequentierten Schau-Adresse. Neben den Gemüse- und Blumenrabatten, den Sommerstauden, Rosenranken und den eigentümlichen Wegrand-Mahlsteinen besitzt der Platzmeistergarten eine Freiluft-Sitzterrasse mit Pavillon und Fund-Steinfliesen.  In einem stillen Winkel ragen drei überlieferte Grabstein-Stelen windschief aus dem Erdreich – ein verträumt-romantisches Vanitas-(Vergänglichkeits-)Motiv, wie es eines Gartens mit Biedermeier-Anleihen gut ansteht.