Die Denkmalsanierung III – die Restaurierungsarbeiten
Im Bauwerksinnern standen und stehen im Mittelpunkt die Wand- und Decken-Wiederherstellungsarbeiten, die Bodenbelagsarbeiten und die Holzoberflächen-Ergänzungen und -Gestaltungen. An den Natursteinquader-Wänden werden Kalkputzschichten im mehrstufigen Prozess aufgetragen. Die Geschossdecken sind mit einer mineralischen Blähtonschüttung gefüllt. In der Decke zum Bühnenboden und in den Dachschrägen der Dachgeschosszimmer wurde naturreines Seegras als Dämmung verwendet. Von Kaltluftwinden betroffene Außenwände und Eckbereiche erhielten eigens eine Innendämmung aus Leichtbauplatten (Heraklit) mit Dämmkern sowie Blähtonschichtschüttungen.
Leitbildhaft wir und ist auch bei sämtlichen Arbeiten, dass der originale, historische Raumcharakter aus dem 19. Jahrhundert bewahrt bleibt. Sinnfällig sind hier die trichterförmig, nach innen sich weitenden Fensterhöhlungen, gewölbte Fensterstürze sowie Stuckfriese.
Viel Aufwand musste getrieben werden bei der Entfernung der Farbschichten und Übermalungen der Holzausstattungen, also von Türen, Türrahmen, Täferungen, Lamperien (untere Wandverkleidung) und Fenstern. Sämtliche Holzoberflächen wurden unter der fachlichen Anleitung des Tübinger Restaurators und Kunstmalers Rüdiger Widmann freigelegt, beschliffen und für die denkmalgerechte Neuübermalung mit Befund-getreuen Pigment-Ölfarben vorbereitet.
Grundlage der Restaurierungsarbeiten ist ein 80-seitiger Untersuchungsbericht zum Bestand und zu den Befunden des Platzmeisterhauses. Autor und Verfasser: Rüdiger Widmann. Er zeigt hohe Wertschätzung für das „Denkmal-„Schatzkästlein“ und seine Innenausbau-Qualitäten. Im einstigen Verwaltungsgebäude der Königlich Württembergischen Hüttenwerke ist verbaut, was seinerzeit als schick und hochwertig galt. Etwa beim Dielenboden des Großen Salons im Obergeschoss. „Übersee-Lärche, das Beste, was es damals gab. Perfekt verlegt.“
Den Restaurator freut auch die „überaus rege Renovierungstätigkeit“, welche die Hüttenwerke der „Wohnung des Platzmeisters“ lange angedeihen ließen. Alle 20 Jahre stand ein neuer Anstrich an, entsprechend viel-schichtig fallen die Farb-Zeitebenen aus.
Als hernach weniger begüterte Bewohner das Haus bewohnten, setzte zwar äußerlicher Verfall ein, aber aus heutiger Sicht wurde das zu einem echten Glücksfall: Tiefgreifende Modernisierungen blieben aus, viel historische Substanz blieb unangetastet und erhalten. Zum Vorschein gelangte schließlich ein Kaleidoskop vergangenen Zeitgeschmacks.
Im Nebensalon des OG fanden sich pechschwarze Tapetenreste aus den 20er Jahren. An den Wänden des Großen Salons ultramarinblaue Farbspuren – die bauzeitliche Trendfarbe schlechthin. Dank der nun vollständigen Farbrestaurierung erscheint der Salon heute wieder in seinem ursprünglichen festlich-augenbetörenden Königsblau. Im Damensalon nebenan tauchten vereinzelt Fragmente der ersten Wandbemalung auf: Ein zartblaues Muster auf rosafarbenem Grund.
Die Restaurierungsarbeiten sind nicht nur diffizil und zeitaufwändig, sie erfordern auch große Einsatzbereitschaft und privates finanzielles Engagement. Deshalb gestaltet sich das Ganze als langdauernder Prozess in mehreren Etappen, der sich, natürlich notgedrungen von Eigenleistungen mitgetragen, etwas hinzieht.
Während der Gartenschau-Ausstellungsdauer 2025 wurden die Arbeiten aufgrund des regen Besucherverkehrs verständlicherweise unterbrochen. In diesem Frühjahr und Sommer 2026 werden die Restaurierungs- und Fertigstellungsarbeiten zügig fortgesetzt – und dies bei laufendem Schauöffnungs- und Veranstaltungsbetrieb.